Was ist Gewitterasthma und wer ist gefährdet?
Zu Beginn eines Gewitters platzen Pollen durch den Feuchtewechsel in lungengängige Kleinstpartikel. Bei hohem Pollenflug steigt dadurch das Asthma-Risiko deutlich — auch für Menschen, die sonst nur Heuschnupfen haben. Schutz: während des Gewitters drinnen bleiben, Fenster zu.
Der Mechanismus
Gewitter drücken mit ihren Fallwinden Pollen aus höheren Luftschichten nach unten. Der rasche Wechsel von Luftfeuchte und elektrischem Feld lässt Pollenkörner aufplatzen — dabei entstehen Bruchstücke, die klein genug sind, um tief in die Lunge einzudringen. Ganze Pollen bleiben normalerweise in Nase und Rachen hängen; die Bruchstücke nicht. Genau das macht die Kombination gefährlicher als hoher Pollenflug allein.
Die allergene Last ist an der Böenfront am höchsten, also in den ersten 20 bis 30 Minuten des heranziehenden Gewitters, kurz bevor der Regen einsetzt. Symptome treten typischerweise kurz darauf auf. Das Risiko ist am Ende von Hitzeperioden besonders hoch, wenn viel Pollen in der Luft liegt und kräftige Gewitter aufziehen.
Wer gefährdet ist
Menschen mit Heuschnupfen und Asthma, auch unbehandeltem. Wichtig und oft unterschätzt: Auch Personen mit reiner allergischer Rhinitis ohne jede Asthma-Vorgeschichte können bei Gewitterasthma-Lagen erstmals einen Asthmaanfall erleben. Beim bislang schwersten dokumentierten Ereignis in Melbourne am 21. November 2016 kam es innerhalb von rund 30 Stunden zu etwa 3.365 zusätzlichen Notaufnahmen wegen Atembeschwerden und zu 10 Todesfällen; ein großer Teil der Betroffenen hatte keine bekannte Asthma-Vorgeschichte.
Die Regel des Tages-Checks
Wenn mittlere oder hohe Pollenbelastung mit einer Gewitterprognose zusammenfällt, zeigt der Tages-Check eine Warnung: während des Gewitters drinnen bleiben, Fenster geschlossen halten, Asthmaspray griffbereit. Wer draußen überrascht wird, bedeckt Nase und Mund mit einem Tuch. In geschlossenen Räumen ist man weitgehend geschützt.
Konkret prüft der Tages-Check zwei Bedingungen gleichzeitig: Meldet die stündliche Vorhersage für den Rest des Tages einen Wettercode für Gewitter (Codes 95, 96 oder 99 nach WMO) und erreicht zugleich mindestens eine relevante Pollenart die mittlere Stufe, dann und nur dann erscheint der rote Warnhinweis über dem Tagessatz, mit der voraussichtlichen Uhrzeit des Gewitters. Diese Warnung ist bewusst selten. Ein Gewitter allein löst sie nicht aus, hoher Pollenflug allein auch nicht, erst die Kombination. Genau darin liegt der Mehrwert: Es ist die Verknüpfung, die einzelne Wetterdienste selten melden, und wenn sie erscheint, ist sie ernst gemeint.
Aus eigener Erfahrung. Selbst hatte ich als langjähriger Allergiker noch nie ein Gewitterasthma, im Gegenteil: Die frische Luft während und nach einem kräftigen Sommerregen genieße ich sehr. Deshalb dieser Hinweis, damit kein falscher Eindruck entsteht: Gewitterasthma ist eine seltene, aber ernste Sonderlage, kein Grund, jedes Sommergewitter zu fürchten. Der Tages-Check warnt nur, wenn beide Bedingungen zusammenkommen, und schweigt sonst.